Orchesterfreundschaft glänzt bei Konzert

12.07.2011 17:30

LKZvom 12.07.2011

Orchesterfreundschaft glänzt bei Konzert

Jugendsinfonieorchester Ludwigsburg und Groot Symfonie Orkest Apeldoorn begeisterten in der Waldorfschule

Gemeinschaftskonzert Jugendsinfonieorchester und Groot Symfonie Apeldoorn.                

Wer die Technik beherrscht, kann sein Talent spielen lassen: Die geradezu befreiende Unbe­kümmertheit junger Musiker aus Ludwigsburg und dem holländi­schen Apeldoorn war es, die ein Gemeinschaftskonzert am Sonn­tag in der Waldorfschule zum Orchester-Event machte. Das sinfonische Dream-Team spielte sich mit Leichtigkeit durch schwierige Klassiker und eine anspruchsvolle Moderne.

Von Heike Rommel

Die musikalischen Leiter Ute Ka-bisch und Peter Veenhuizen stan­den für eine Orchesterarbeit, die sich Profi-Ensembles nur wün­schen können: Zwei Wochen lang haben ihre Instrumentalisten viel miteinander und voneinander gelernt. Wo ein ehemaliger Schü­ler der Musikschule Ludwigsburg zarte Bande geknüpft hat, ist eine beispielhafte und große Orches­terfreundschaft entstanden.

Eine Woche in Apeldoorn und eine Woche in Ludwigsburg: Die Nacht des Abschlussfestes war lang, aber den jungen Sinfoni­kern kaum anzumerken. Ein leb­hafter „Danse des Furies" aus „Orfeo und Euridice" von Chris­toph Willibald Gluck führte in ei­nen wahrhaften Wirbel der Gei­genbögen bei Auszügen aus Pjotr Iljitsch Tschaikowskis „Schwanensee" und „Nussknacker". Hier brachten die für ihr Tschaikows-ki-Programm schon berühmten Ludwigsburger die dramatischen Elemente ganz groß heraus. Mit Erwin Schulhoffs Suite begegnete das Jugendsinfonieorchester (JSO) einem jüdischen Kompo­nisten, der es bis zu seinem Tode im Konzentrationslager Theresienstadt hervorragend verstanden hat, den Jazz mit der Klassik zu verbinden. An Maurice Ravel er­innernde exotische Motive und Disharmonien bekamen von der bombastischen Pauke über die Tröte bis zur Pfeife originelle Ak­zente gesetzt.

Beim „Groot Symfonie Orkest" (GSO) konnte jeder Ludwigs­burger mitspielen, der Lust hatte. Und das waren viele. Gewitzt, frisch und temporeich erwiesen sich die jungen Musiker als Multifunktionalisten. Jeder be­herrscht sein Instrument von der Pike auf, hat aber auch kein Prob­lem damit, mal etwas anderes zu machen. Da nimmt sich der hol­ländische Dirigent Peter Veen­huizen nicht aus.

„Wie verteilen wir die Stim­men? Wer spielt welche Flöte? Welcher Pianist spielt welches Schlagzeug?" Bei Veenhuizen ist alles drin, was ein Orchester in Sachen Flexibilität bieten kann. Seine Turnschuhe auf dem Diri­gentenpodest waren bei drei Un­garischen Tänzen von Johannes Brahms und der beschwingten Ouvertüre zu Johann Strauss' „Fledermaus" ein Symbol dafür, dass beim Musizieren nichts wichtiger ist, als den Komponis­ten aus dem Herzen und aus dem Geiste zu spielen. Mit seinem Or­chester studierte der weltbe­rühmte Bandeonist, Carel Kraayenhof, nicht umsonst seinen Tango „Adios Nonino" ein, den er zur Hochzeit von Prinzessin Maxima und Prinz Willem Alexander spielte.

Speziell für die Orchesterbe­gegnung Apeldoorn - Ludwigsburg hat die Komponistin Claudia Rumondor ihr „Airconcerto" ge­schrieben. Es erklang am 25. Juni erstmalig in Apeldoorn und am Sonntag wieder in Ludwigsburg, wobei die Instrumentalisten zwi­schen 13 und 20 Jahren auch als Vokalisten zu hören waren. Das Stück basiert rhythmisch auf ei­ner tropfenden Klimaanlage in Jakarta und auf dem indonesi­schen Popsong „Sepanjan jalan kenangan".

„Schade, dass wir uns trennen müssen," bedauerte Veenhuizen, der auch das Jeugdsymfonie Or­kest Amsterdam leitet, das glück­licherweise nur vorläufige Ende der deutsch-holländischen musi­kalischen Begegnung. Seine Ab­schiedsworte waren fast eine Lie­beserklärung an die Ludwigs­burger: „Wir nehmen euch mit. Wir haben einen großen Bus."

 

 

 

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