Musikalische Früherziehung gilt als Kür

28.07.2010 01:00

LKZ vom 28.07.2010

Erst kommt die Pflicht, dann die Kür. Auf diesen Grundsatz haben sich die Ludwigsburger Stadträte berufen, als über eine musisch-kulturelle Bildungs­offensive entschieden werden sollte. Am Ende wurde das Thema auf den Herbst ver­schoben. Die Stadträte finden die Idee zwar ausgezeichnet, wollen momentan aber kein Geld mehr ausgeben. Und schließ­lich sei eine flächendeckende musikalische Früherziehung - nichts anderes verbirgt sich hinter der vom Fachbereich Kultur ent­wickelten Offensive - keine Pflichtaufgabe, argumentierte die Ratsmehrheit.

Wiebke Richert, der Leiterin des Fachbereichs, geht es um eine Bündelung der Kräfte. Allein eine professionelle Vernet­zung der Angebote von Jugendmusik­schule und dem Stadtverband Musik und Gesang könnte etwa 3200 Kindern den Weg zur Musik ebnen. Um die Hürde für dieses Angebot möglichst niedrig zu hal­ten, sollen die Eltern dafür nur fünf Euro pro Monat aufbringen. Die Stadt müsste 100 000 Euro beisteuern, die voraussicht­lich aber erst im Jahr 2013 fällig würden.

Konrad Seigfried war auch skeptisch, als ihm diese Idee unterbreitet wurde. Dann aber hätten ihn allein die Zahlen über­zeugt, sagte der Erste Bürgermeister: Ge­messen daran, dass damit vier Jahrgangs­stufen die Chance auf wichtige Schlüssel­qualifikationen erhielten, sei das Projekt auch noch „sehr kostengünstig".

Doch die Stadträte wehrten sich gegen jede Art von neuen Kosten. Während der SPD - Sprecher Eckart Bohn meinte, die mu­sikalische Förderung von Schulkindern sei Angelegenheit das Landes, verwies Rosina Kopf (CDU) auf die aktuelle Sparrunde. Sie fragte: „Machen wir damit nicht ein neues Fass auf?" Auch Gabriele Moersch (Freie Wähler) plagten „große Bedenken wegen der Finanzierung". An der Idee gebe es nichts auszusetzen, aber der Gemeinderat könne keine musisch-kulturelle Offensive aufs Gleis bringen, während so vielen ande­ren Einrichtungen Einsparungen zugemu­tet würden. Edeltraud Lange befürchtete, mit dem Programm mache die Stadt der Musikschule unnötige Konkurrenz. Und Rosina Kopf (CDU) wollte wissen, ob nicht das neue Landesprogramm „Singen, Bewe­gen, Sprechen" dieses Spektrum abdecke.

Das landesweite Konzept ziele in eine andere Richtung, sagte der Leiter der Ju­gendmusikschule, Hans-Dieter Karsch. Es gebe keine Überschneidungen. Die Fachbe­reichsleiterin Wiebke Richert ergänzte, dass die Stadt schon bisher Zuschüsse vom Land für die Früherziehung bekomme. Aber diese Mittel reichten nur für zehn be­fristete Projekte aus und nicht für eine flä­chendeckende Förderung.

Aber es gab auch Unterstützer des Pro­jekts. Hubertus von Stackelberg (SPD) sagte, dass das Modell „nur gewinnen kann". Mit Verweis auf Kreiskommunen, in denen ähnliche Konzepte bereits umge­setzt sind, sagte er: „Kleinere haben es uns vorgemacht, es würde auch uns gut anste­hen." Anita Klett-Heuchert (Grüne) wollte ebenfalls grünes Licht für das „sehr, sehr positive Angebot" geben.

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